Gerhard Voß wurde am 19. Mai 1931 in Schleswig geboren. Nach dem Abitur an der Staatlichen Domschule Schleswig absolvierte er von 1952 bis 1958 ein Studium des Maschinenbaus mit Vertiefung im Verkehrswesen an der Technischen Hochschule Hannover, das er als Diplom-Ingenieur abschloss. Seine berufliche Laufbahn führte Gerhard Voß zunächst in die Industrie, wo er bei Fried. Krupp in Essen als Konstrukteur für Diesellokomotiven und später als Leiter der Abteilung Berechnung, Versuch und Entwicklung im Bereich Schienenfahrzeuge tätig war. Seine Zeit bei Krupp erfuhr eine Unterbrechung zwischen 1960 und 1965, in welcher er als Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Eisenbahnmaschinenwesen an der Technischen Hochschule Hannover arbeitete.
Am 5. März 1970 folgte Gerhard Voß dem Ruf zur ordentlichen Professur für Schienenfahrzeugtechnik und übernahm die Direktion des Instituts für Schienenfahrzeuge und maschinelle Bahnanlagen an der Technischen Universität Hannover. Bis zu seiner Emeritierung am 30. September 1999 prägte er als Institutsleiter die Forschung und Lehre nachhaltig. Seine Schwerpunkte umfassten Aerodynamik für Hochgeschwindigkeiten bis 250 km/h, Lastkollektivmessungen von der Stadtbahn bis zum ICE, Windwarnsysteme, energiesparende Fahrstrategien sowie Festigkeitsanalysen für Transrapid und Unfallstöße. Damit schuf er Grundlagen für realistische Berechnungs- und Simulationsverfahren.
Neben seiner institutsinhaltlichen Arbeit übernahm Professor Voß zahlreiche Führungsaufgaben: Er war von 1977 bis 1978 Leiter der Abteilung Maschinenbau, von 1978 bis 1981 Dekan des Fachbereichs Maschinenbau, von 1982 bis 1996 Vorsitzender der Studienkommission und zeitweise Mitglied und Vorsitzender wissenschaftlicher Beiräte beim Bundesminister für Verkehr. Seine Verdienste wurden mit der Ehrendoktorwürde der TU Dresden 1999 und der Beuth-Ehrenmedaille der Deutschen Maschinentechnischen Gesellschaft 2005 gewürdigt.
Professor Voß betreute zahlreiche Promotionen sowie Habilitationen und veröffentlichte viele Fachbeiträge in renommierten Zeitschriften wie die ZEV+DET Glasers Annalen oder die ETR – Eisenbahntechnische Rundschau. Sein Engagement für das Bahnsystem, vor allem für Ausbildung und umfassendes Fachwissen, war bis ins hohe Alter beeindruckend.
Als herausragender und allgemein respektierter Fachmann auf dem Gebiet der Schienenfahrzeuge war Professor Voß gerade wegen seiner bescheidenen Art hoch angesehen. Nach seiner Emeritierung war er zudem ein regelmäßiger Gast am Institut für Maschinenkonstruktion und Tribologie (IMKT) der LUH, wo er in einem kleinen Büro weiterhin beständig arbeitete.
Die Fakultät für Maschinenbau gedenkt dankbar des Lebenswerks von Professor Voß und sein Wirken im Bereich Schienenfahrzeugtechnik. Die Mitglieder der Fakultät sprechen der Familie ihr tiefes Mitgefühl aus.